Die Sihlhochstrasse, ein Abschnitt der Zürcher Stadtautobahn, sorgte bereits während ihres Baus für heftige Kontroversen.[1] Nach den ersten Sanierungsarbeiten im Jahr 2002 wurde eine Restnutzungsdauer bis ins Jahr 2050 vorgegeben. Heute hat sie zwei Drittel ihrer Lebensdauer erreicht. Eine baldige Kernsanierung kündigt sich an, ökonomisch realistisch ist eher ein Neubau. Die nächste Instandsetzung wird im Jahr 2030 erwartet — noch im selben Jahr sollen weitere Nutzungsszenarien der Sihlhochstrasse diskutiert werden. [2]
Die Sihlhochstrasse besteht aus einer 1’494m langen Hauptbrücke mit drei Dilatationsabschnitten und anschliessenden Rampenbrücken von insgesamt 1’016m Länge. Die Normalspannweite der Hauptbrücke beträgt 42.40m und besteht aus zwei Hohlkästen, die durch eine Fahrbahnplatte verbunden sind. Sie lagert auf massiven Stützenpaaren auf, welche die Lasten auf 5-30m tief gebohrte Punktfundamente im Sihlbett verteilen. [3]
Aktuell trennt die Sihlhochstrasse als klare Schneise die Kreise 2 und 3 in Zürich. Stellt man sich einen Rück-/Umbau des Baukörpers vor, eröffnet sich ein neuer Stadtraum, der durch gezielte Interventionen neue Verbindungen der Quartiere schaffen könnte. Genauso relevant wie Überlegungen einer potenziellen Umnutzung für Wohn- oder für kulturelle Zwecke zeigt sich der zukünftige Umgang mit dem Bauwerk als Teil eines bereits aussergewöhnlichen Freiraums, geprägt durch den Flusslauf der Sihl.
[1] «Aktenzeichen Y ungelöst»: Das Zürcher Expressstrassen-Ypsilon ist Geschichte. Wird die Sihlhochstrasse zum Baudenkmal?», NZZ, 15.08.2024
[2] Aktenzeichen Ypsilon ungelöst, Martin Jakl, Masterarbeit an der TU Berlin, 2018
[3] Spannglieder, Schrägseile und Anker. Beschreibung der Systeme und Erkenntnisse aus Korrosionsschäden,Forschungsauftrag AGB2000/470 auf Antrag der Arbeitsgruppe Brückenforschung (AGB), August 2005
Merci, Martin Jakl